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Information des Generalvikars
Montag, 09. März 2020

Liebe Mitbrüder,
sehr geehrte Damen und Herren, 

seitens des Erzbistums haben wir vor einigen Tagen Empfehlungen für die liturgische Praxis angesichts der Ausbreitung des Corona-Virus gegeben. Das wurde den Rückmeldungen nach als hilfreich empfunden; es sind sogar Ergänzungswünsche bei uns eingegangen. Zwei der am häufigsten vorgetragenen Wünsche haben wir aufgenommen: So weisen wir gerne in der Nr. 4 darauf hin, dass das als „Asperges“ bekannte sonntägliche Taufgedächtnis die leeren Weihwasserbecken gut kompensieren kann, und geben unter der neuen Nr. 5 Hinweise zur Kollekte. Der Übersichtlichkeit halber übersenden wir Ihnen die ergänzte Gesamtfassung.


In diesem Sinne und verbunden mit guten Wünschen für Ihre Gesundheit verbleibe ich
mit herzlichen Grüßen
Markus Hofmann
Generalvikar


Empfehlung für die Feier des Gottesdienstes
während der Ausbreitung des Corona-Virus

1. Grundsätzlich gilt: Wer Symptome einer Erkrankung aufweist oder bei wem der Verdacht auf Erkrankung besteht, soll auf die Teilnahme an Gottesdiensten verzichten. Er soll auch keinen liturgischen Dienst ausüben: Priester sollen nicht der Gemeindemesse vorstehen. Dies gilt auch für die Leiter von nicht-eucharistischen Gottesdiensten, die Messdiener und Kommunionhelfer.

2. Bei Konzelebration soll in besonderer Weise darauf geachtet werden, dass man kein Ansteckungsrisiko eingeht.

3. Die häufigste Frage gilt dem Friedensgruß: Die Liturgie unterscheidet zwischen dem eigentlichen (gesprochenem) Friedensgruß und dem sich anschließenden Friedenszeichen. Letzteres ist fakultativ und soll den Friedensgruß zeichenhaften Ausdruck verleihen und erlebbar machen. In unserem Kulturbereich hat sich das Reichen der Hände etabliert. Doch wir empfehlen angesichts der Verbreitung des Corona-Virus auf ein Friedenzeichen mit körperlicher Berührung zu verzichten – auch auf das Reichen der Hände. Gerade die Handhygiene ist angesichts des Corona-Virus das erste Gebot. Ein freundliches Zunicken bzw. -lächeln ist hier eine gute Alternative.

4. In unseren Kirchen finden die Gläubigen im Eingangsbereich ein Becken mit Weihwasser, das sie an ihre Taufe erinnert, wenn sie sich damit bekreuzigen. Leider erweist sich gerade dieser sehr sinnvolle und schöne Brauch als problematisch, weil offensichtlich hier eine große Ansteckungs-, mehr noch Verbreitungsgefahr besteht. Wir raten daher angesichts der aktuellen Gefährdungslage, die Weihwasserbecken ausnahmsweise zu leeren, um die Gefahr zu minimieren.
Alternativ besteht die Möglichkeit zum sonntäglichen Taufgedächtnis („Asperges“), wie es im Anhang des Messbuchs beschrieben wird. Die dort aufgeführte Segnung des Wassers und Besprengung der Gemeinde ersetzen das Allgemeine Schuldbekenntnis. Angesichts der Fastenzeit und des drohenden Corona-Virus legt sich das zweite Segensgebet mit der Bitte um Vergebung der Sünden und um Schutz vor Krankheit nahe.

5. Die Kollekte während der Gabenbereitung ist insofern ein sensibler Punkt, als dabei nicht selten das Kollektenkörbchen bzw. der Klingelbeutel durch die Reihen geht und von Hand zu Hand weitergereicht wird. Leider besteht hier die Gefahr der sog. „Schmierinfektion“. Um diese zu vermeiden, ist es eine Möglichkeit, den Klingelbeutel vom Rand aus in die Reihen hineinzuhalten. Wo dies als zu aufdringlich erscheint oder aufgrund der Länge der Bankreihen nicht möglich ist, könnte die Kollekte auch so gestaltet werden, dass – nach entsprechender Erklärung für die Mitfeiernden – das Kollektenkörbchen im Eingangsbereich des Kirchenraumes steht, damit dort die Mitfeiernden ihre Gabe zu Beginn des Gottesdienstes einlegen können. Die Kollekte kann dann im Kontext der Gabenbereitung nach vorne gebracht werden. Dies würde sogar den Aspekt des Opfers sehr stimmig unterstreichen. Weitere Lösungen zu finden, stellen wir den Gemeinden anheim.

6. Leider trifft uns die gesundheitliche Gefährdung durch den Corona-Virus im Kernbereich der Liturgie, der Feier der Eucharistie. Schmerzlicherweise birgt die Kommunionspendung bei unsachgemäßer Handhabung ein großes Gefährdungspotential. Das stößt besonders bitter auf, doch dürfen wir davor die Augen nicht verschließen. So liegt es nahe, auf die Kelchkommunion der Gläubigen zu verzichten und die Handkommunion zu praktizieren.

7. Die Handhygiene sollte bereits vor der Kommunionausteilung, nämlich schon nach dem Wortgottesdienst und mit der Gabenbereitung, berücksichtigt werden. Es empfiehlt sich angesichts der aktuellen Herausforderungen für alle Kommunionspender – auch wenn es liturgisch gesehen befremdlich wirkt –, sich tatsächlich die Hände zu desinfizieren. Das kann durchaus dezent an der Seite oder leicht abgewandt von der Gemeinde geschehen, so dass der Vorgang nicht allzu viel Gewicht in der Wahrnehmung der Feiernden bekommt. Doch scheint dies keineswegs übertrieben, wenn man die Hygienevorschriften zum Maßstab nimmt, wie sie z.B. auch in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen üblich sind, an denen man sich grundsätzlich orientieren kann. Demnach müsste ein alternatives Händewaschen mit Seife erfolgen und eine halbe Minute lang dauern, wenn es einen hygienischen Effekt haben soll.

Die konkrete Entscheidung über diese Punkte obliegt dem Zelebranten bzw. dem Rector ecclesiae. Doch soll er keinesfalls allein nach seinem eigenen Dafürhalten handeln, sondern unbedingt auf die Bedürfnisse der Gläubigen achten und deren Gesundheit Rechnung tragen. Keinesfalls muss man übertrieben ängstlich sein, aber es gilt auch im kirchlichen Bereich verantwortet zu handeln. Daher empfehlen wir unsererseits die genannten Anregungen mit Nachdruck, damit nicht ausgerechnet der Gottesdienst zum Anstoß des Ärgernisses und zum Anlass für vermeidbares Leid wird. Natürlich sollten im gemeindlichen Alltag auch ansonsten die gebotenen Hygieneregeln eingehalten werden. Informationen hierzu sowie zum Corona-Virus insgesamt finden Sie auf der Seite www.infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 


Köln, 09. März 2020
Markus Hofmann
Generalvikar

Erzbistum Köln
Verantwortlich: Dr. Markus Günther, Leiter der Hauptabteilung Medien und Kommunikation
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